Ich bin Lehrer … ja, wieso überhaupt?

Lehrer. Es gibt viele bei uns, sehr viele sogar. Der eine unterrichtet Deutsch, der andere Physik. Sie sind alle ziemlich unterschiedlich, aber trotzdem haben alle eine Sache auf jeden Fall gemeinsam: Sie unterrichten uns. Ich habe mich schon immer gefragt, wie man eigentlich auf diesen Beruf kommt, also warum fragt man da nicht einfach mal den Lehrer selbst? Herr Dahl unterrichtete Mathe und war so nett mir einige meiner Fragen aus seiner Sicht zu beantworten.

Wenn Sie nicht Lehrer geworden wären, was dann?

„Ich wollte eigentlich in die Richtung der Gastronomie gehen, dazu braucht man ein Studium. Ich hätte sehr gern ein Hotel oder so etwas Ähnliches geführt.“

Wie kam es, dass Sie sich doch für den Lehrerberuf entschieden haben?

„Ich muss sehr weit in die Vergangenheit gehen, damit man es verstehen kann. Ich bin in einem Dorf mit ca. 100 Einwohnern aufgewachsen. Dort gab es eine Schule, die die erste bis vierte Klasse betreute. Wir waren alle in einem Raum untergebracht, da wir insgesamt ungefähr nur zehn Schüler gewesen sind. Das war nicht immer einfach, wenn vier Klassenstufen in einem Raum unterrichtet wurden. Ich lebte mit meinen Eltern und drei Geschwistern im Schulgebäude an sich. Meistens war das ziemlich praktisch, denn wir mussten nur über den Flur, dann waren wir schon im Klassenraum. Mein Vater hatte mich unterrichtet, deshalb hatte ich nie eine richtige Vater-Sohn- Beziehung, sondern es war mehr wie zwischen einem Lehrer und seinem Schüler. Ab der fünften Klasse musste ich dann in eine andere Schule gehen. Diese war in einem anderen Ort, 15 Kilometer entfernt. Ich fuhr 3km mit dem Fahrrad, dann nahm ich den Bus. Als ich in die achte Klasse kam, habe ich angeboten drei Kinder aus dem Dorf auf die Schule vorzubereiten, brachte ihnen ein bisschen Lesen, Schreiben und das Rechnen bei. Schließlich wurde eine Art Spiel daraus. Ich gab den Kindern Noten und bastelte ihnen zum Ende des Schuljahres sogar ein Zeugnis. So wurde der Lehrerberuf zum Zweitwunsch, aber mein Vater riet davon ab. Er meinte, es koste sehr viel Kraft. Es gab eine Zeit, in der ich vier Jahre lang die Woche über im Internat verbrachte. Ich erkannte schnell, dass mir der Umgang mit Kindern gefiel und griff den Lehrern unter die Arme. Ich übernahm ein Amt, das dem Klassensprecher sehr ähnlich ist. Ich beriet die Klasse und half meinen Mitschülern mit Problemen. Irgendwann wollte ich auf die erweiterte Oberschule gehen, doch ich sollte keinen Platz bekommen, bis sich mein Vater dafür einsetzte. Noch immer wollte ich Gastronomie studieren, doch als ich endlich meinen Abschluss hatte, konnte ich keinen Platz für ein Studium in der Hotelbranche bekommen, weil es einfach zu wenige gab. Damals musste man genau wissen was man wollte, denn so etwas wie ein Wartesemester heute gab es nicht. Also

wandte ich mich meinem Zweitwunsch zu und machte vier Jahre lang ein Lehrerstudium, für die Fachkombination Mathe und Erdkunde, in Greifswald. Ich zog mit meiner Frau nach Berlin und fing hier an einer Schule an. Dort wurde mir erst einmal klar, wie schwer es ist sich durchzusetzen und eine Art des Unterrichtens zu finden, die sowohl vom Schüler akzeptiert wird und dennoch alle gleichbehandelt. “

Würden Sie Ihren Beruf weiterempfehlen?

„Ja, vorausgesetzt es ist eine Persönlichkeit, die gefühlsmäßig dahintersteht und die eine gewisse Leidenschaft für diesen Beruf hat. Es ist klar, dass es auch schwierige Momente in diesem Beruf gibt, wie zum Beispiel den Druck, wenn man Klausuren überprüfen muss, aber abgesehen davon gefällt mir der Beruf sehr gut.“

Gibt es Situationen, die Sie am liebsten mögen, wenn Sie eine Klasse unterrichten?

„Ich liebe es, wenn ich das Gefühl habe, dass eine Stunde gut gelungen ist. Ich mag es zu sehen, wenn ich merke, dass ich alle erreicht habe, die es wollten, aber mir ist es genauso wichtig, dass die gesamte Klasse während des Unterrichts auch ihren Spaß haben kann! Was ich überhaupt nicht mag, ist meine teilweise ironische Art im Umgang mit den Schülern. Diese mögen sie eigentlich gar nicht.“

Ich weiß zwar nicht, wie es euch jetzt geht, aber ich habe dieses Interview als ziemlich spannend empfunden. Mir ist klargeworden, dass Lehrer nicht nur anders unterrichten, sondern dass auch jeder einzelne seine ganz eigene Geschichte zu seinem Berufswunsch hat. Wer weiß, vielleicht hat ja schon einer von euch beschlossen irgendwann einmal selbst vor einer Klasse zu stehen oder ihr werdet es euch vielleicht doch als Option überlegen, so wie ich.

 

Von Monique Mischnick

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