Mein Lieblingsort im Sommer #1

Mühsam schleppen wir uns den Trampelpfad hinauf. Unsere vielen Taschen ziehen wir stöhnend hinter uns her. Staub wird aufgewirbelt und Haarsträhnen kleben uns im verschwitzten Gesicht. „Wessen Idee war das nochmal???“ fragt jemand, der den Schluss unserer Kette bildet. „Wir alle wollten hierher!“, kommt es von oben zurück. „Und das aus einem guten Grund“, sage ich, „es lohnt sich!“

Ich bin kein Freund von sportlichen Aktivitäten, aber wenn es darum geht, den Ahrensfelder Berg – meinen Lieblingsort im Sommer – zu erklimmen, nehme ich gern die anstrengende Abkürzung hinauf. Am Rande Berlins liegt der Ahrensfelder Berg zwischen weiten Wiesen, weidenden Schottischen Bisons und belebten Wohnvierteln. Mit dem 197er Richtung Mahlsdorf, am

Belziger Ring steigt man aus und erklimmt nach einem kleinen Spaziergang den Berg. (Weniger anstrengende, aber dafür länger dauernde Wege sind an der Haltestelle Betriebshof Marzahn zu finden. Dort fährt die Tram 18, M6 und die Busse 197 und X54.)

Oben auf der Plattform kann man kilometerweit blicken, entweder man sieht sich den Fernsehturm aus der Ferne an oder man überblickt weite Felder Brandenburgs. Das lernte ich erst zu schätzen, als ich vor einem Jahr mit meinen Freundinnen oben war. Als ich früher den Berg mit meiner Familie bestieg, hatte ich anderes im Sinn als verträumt in die Ferne zu starren. Mit meinem

Vater ließ ich Drachen steigen, meine Mutter scheuchte uns die steilsten Wege hinauf und mein Bruder spielte Fangen mit mir. Man merkt: Es ist ein Ort für Groß und Klein, der für die einen ein unentdecktes Abenteuer birgt und für andere einen Moment erst magisch macht.

Meinen magischsten Moment erlebte ich letztes Jahr an einem warmen Tag im April, als ein paar Freundinnen und ich auf dem Ahrensfelder Berg picknickten und uns den Sonnenuntergang ansahen. Wir fühlten uns frei von jeglicher Verantwortung, vergassen gestern und morgen und genossen das Hier und Jetzt. Und als nach einigem „deep talk“ die letzten Sonnenstrahlen hinterm Horizont verschwanden, während aus der Musikbox der Satz „drowning with the sunlight“ (= sinken mit dem Sonnenlicht) ertönte, war es um mich geschehen.

Ich war vollkommen glücklich in diesem Moment und werde dieses Gefühl immer mit meinem Lieblingsort verbinden.

von Michelle Maerten

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