Wir sind Amazonen!

Lisa Und da waren sie, meine schulischen Mitstreiter/innen, da auf der Bühne. Manche erkannte man gar nicht wieder! Stille Persönlichkeiten blühten auf und man hörte ihre Stimmen, wie es mir schien, zum ersten Mal. Aus den wenigen Puzzleteilen, die man von den aufgeregten Darsteller/innen im Voraus erfahren hatte, entstand ein fantastisches Bühnen-Szenario! Es wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Ich fand alle Stücke klasse, aber Die Amazonen berührten mich am meisten, einfach wegen der Erinnerungen an meinen Lateinunterricht: Wie sehr mochte ich doch all die Mythen und deren Gottheiten! Nun meine Freunde auf der Bühne zu sehen – über die Späße und die versteckten Insider vergangener Stunden lachen zu können – war ein ganz besonderes Ereignis. Und das Thema, wozu ein Mann nützlich sei, wurde auf so amüsante Art verarbeitet: Am Ende ist es jedem selbst überlassen, was es für ihn bedeutet zu lieben und wie er damit umgeht. Hauptsache, er oder sie hat begriffen, dass ohne Liebe niemand glücklich wird.

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Lina Was wollen wir spielen? Welche Wirkung wollen wir damit erzielen und was wollen wir eigentlich aussagen? Diese und noch viel mehr Fragen stellten wir uns am Anfang des Schuljahres. Wir, das heißt 17 Mädchen und 3 Jungen, wollten etwas Neues, etwas, was immer wieder diskutiert wird und trotzdem mit Witz und Charme vermittelt werden kann. Also warum nicht die Beziehung zwischen Mann und Frau thematisieren? Unsere kluge Kursleiterin, Frau Pechstein, wusste von Beginn an, dass unsere geballte Frauenpower von Nutzen sein könnte.

Dass ich, eine Person, die vor einem dreiviertel Jahr noch nicht einmal laut reden konnte, jetzt laut sprechend auf der Bühne stehe, hätte wohl niemand erwartet. Nicht einmal ich selbst. Ja, ich muss zugeben, unsere Arbeit an diesem Stück und vor allem an meiner Rolle hat mir wirklich weitergeholfen, offener zu werden und auch mehr Selbstsicherheit zu gewinnen.

Plötzlich stellte ich Thermodosa dar, eine starke, selbstbewusste Mutter inmitten eines Volkes aus großartigen Amazonen. Ich fühlte mich so wohl in meiner Rolle, auch weil mir unser Kurs und vor allem Frau Pechstein Vertrauen schenkten und mich stets ermutigten. Was ich besonders an unserer Arbeit schätzte, ist, dass wir immer gegenseitig für uns da waren: Es gab einfach nie einen Tag, an dem man sich nicht auf den kommenden Auftritt freuen konnte. Wir haben diskutiert, ausprobiert und vor allem eine Menge Spaß bei unseren Proben gehabt. So war es auch kein Problem, mal Überstunden an einem Wochenende einzulegen.

Die Tage unserer Auftritte waren so aufregend! Jedes Mal stand ich kurz vor Beginn hinter der Bühne und bekam Gänsehaut, sobald der erste Ton unseres Anfangsliedes erklang: Nun war es soweit; endlich konnten wir ein Jahr voller Arbeit, Entwicklungen und jeder Menge Spaß präsentieren. Ich legte meinen letzten Teil Schüchternheit ab und spielte einfach. In diesem Moment waren wir alle so stark. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Ich wusste, egal, was jetzt passieren würde, ich habe einen wundervollen Kurs hinter mir, auf den ich zählen kann. Wir sind in diesem Jahr so sehr zusammengewachsen, dass wir auch damit umgehen konnten, dass eine Amazone an zwei Tagen leider ausfiel: Ja, auch Amazonen werden manchmal krank. Es war anders ohne unsere Feministin, aber wir haben es geschafft. Und ich hätte vor einiger Zeit nie gedacht, dass ich mich einmal so wohl auf der Bühne fühlen würde und darüber bin ich glücklich, sehr sogar.

Rückblickend auf das Jahr möchte ich mich bei meinem Kurs und unserer großartigen Amazone, Frau Pechstein, bedanken: Wir hatten so viel Freude miteinander, ich konnte so viel mitnehmen und ‚ganz nebenbei‘ stellten wir ein für mich so tolles Stück auf die Beine.

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Lisa Die Auftritte aller Kurse können sich sehen lassen:  wunderbare Ergebnisse, finde ich. Hier wurden Ideen in Szene gesetzt – kreative Köpfe zum Rauchen gebracht, dank der Arbeit außerordentlicher Spielleiterinnen. Gelungene Abende! Glückliche Protagonist/innen und ein dankbares Publikum!

Von Lisa Seidl und Lina Gutschick

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